Mergentheimer Straße

Die Mergentheimer Straße ist gleichzeitig auch der Weg nach Distelhausen, der Distelhäuser Weg, die Distelhäuser Strasse. Bedeutend für die aus Richtung Mergentheim kommenden Geleitstrassen von Nürnberg, Regensburg, Augsburg. Auch die über Grünsfeld, also über die Obere Steige des Büchelberges führende Geleitstrasse, die bog vor der Tauberbrücke in die Mergentheimer Strasse ein. Dort war auch außerhalb der Stadt das Siechenhaus erbaut worden.


In der Vermögensliste von 1578 wird bei drei Einwohner Weinbergsbesitz am Neuen Weg genannt. 1485 in den Mainzer Ingrossaturbücher Band 41,7 "hinterm siechhauß ober der Schlacht an dem Newen wegk hinauß". Ob damit die Mergentheimer Straße als neuer Weg eingestuft wurde? Oder ein Weg zum Büchelberg hoch oder parallel zur Mergentheimer Straße? Allerdings wurde früher schon sehr genau zwischen Weg und Straße unterschieden. Weg stand für lokale Wege, für kurze Verbindungswege zum nächsten Ort. Straße für kleinregionale, überregionale Verbindungen. Insofern dürfte der neue Weg nicht für die Mergentheimer Straße gelten, auch wenn in der Literatur zum Geleit manchmal darauf hingewiesen wird, dass die Verkehrsverbindung Richtung Mergentheim neu angelegt wurde bzw. ausgebaut wurde. Als Chausseestraße wird die Mergentheimer Straße als baumbegleitete in den Karten dargestellt, also als Allee. Der Ausbau als KFZ Strasse veränderte die Führung der Trasse, aber auch die Höhensteigung. Selbst bei den Geyerhöhlen wurden einige Meter des Hanges dabei abgegraben. Die Straßenbauer hatten in den 1960/1970er Jahren einfach zu viel Geld, zu viel Macht, zu viel Unhinterfragtes und die offenen Möglichkeiten Gegner als Fortschrittsfeinde, als Landschaftsapostel zu denunzieren. Das ist glücklicherweise heute anders, aber das heutige Bild der Mergentheimer Straße und der Fortsetzung in Richtung Autobahnauffahrt und weiter in Richtung Gerlachsheim ist genau das schreckliche Abbild dieser Zeit. Die alte Mergentheimer Geleitstrasse, auch die chaussierte Version, ist heute noch am Verlauf ab Dittigheim in Richtung Distelhausen nachvollziehbar. Wenn auch am Ende vor dem Bahnübergang die KFZ-Trasse wieder dazwischen funkt. Beim Sprotte-Geleitbuch ist eine schöne Wildbannkarte im Bereich Gerlachsheim abgebildet, die den getrennten Verlauf über die zwei Grünbachbrücken auf Gerlachsheimer Gemarkung verdeutlicht. Prächtige Bildstöcke und Kreuze begleiteten die Mergentheimer Straße weiter zwischen Dittigheim und Gerlachsheim. Beim Kreuz bei der früheren Kapelle von St. Veit trennte sich die Straße. Bei der Dittigheimer Brücke neigt sich die Mergentheimer Straße tief ins Tal. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass die Tauber früher wesentlich tiefer lag. Und damit auch der Hochwasserpegel. Erst die Abschwemmungen von umfangreichem Erdreich aus den Weinbergen erhöhte die Tauber und die Aue, und damit auch die Höhen, die die Hochwässer erreichen konnten.


An der Ecke Laurentiusbergstraße / Mergentheimer Straße stand früher ein Kreuzigungsbildstock von 1578, jetzt bei der Peterskapelle, eine Replik steht nun weiter oben in der Laurentiusbergstraße bei der Kindergartenrückseite. Ob der in einer Sage erwähnte Mändelebildstock am Anfang des Taubentales an der Mergentheimer Straße stand? Der vierzehn Nothelfer Bildstock am Geyersberg steht schon auf Dittigheimer Gemarkung.


Die Mergentheimer Straße wurde von der Hohle des Laurentiusbergweges mit einer Überbrückung herausgefordert. Genauer genommen von der Steigehohle. Erst mit Errichtung der Laurentiuskapelle kam der Laurentius zwischen Schlacht, Zent und Büchelberg. Also erst spät im 18. Jahrhundert! Die zweite Überbrückungsherausforderung war der Graben des Taubertales. Allerdings auf Dittigheimer Gemarkung, was hoffentlich auch die Dittigheimer zur Unterhaltung und Pflege der Überbrückung nötigte.


Die Mergentheimer Straße wurde nach der Tauberbegradigung durch die Anlage der Tauberwiesenbewässerung von einem Bewässerungsgraben begleitet. Der von der Tauberstaustufe vor Dittigheim kam. Deshalb mußten Grundstücksbesitzer von der Mergentheimer Straße her eine kleine Überbrückung des Grabens zu ihrem Grundstück herstellen. Oft steinerne Platten. Entlang der Mergentheimer Strasse gab es auch eine Zeitlung vor dem 2. Weltkrieg eine Eisfläche, die gern von Büschemer Eiskunstläufer*innen frequentiert wurde.


An den Blaulichtball des Roten Kreuzes vor dem Fastnachtende, am letzten Tag vor Aschermittwoch, kann ich mich noch einigermaßen gut erinnern. Wenn auch nicht immer in den wichtigsten Details vollständig. Dieser Faschingsdienstag war das Büschemer Mardi Gras. Mergentheimer Straße Nächte sind lang, aber dann, aber dann. Eine dancing Schwoofschwester war aber immer dabei. Die hatte auch interessante Pflanzen in ihrem Kleingarten. Die selbst ein etablierter Büschemer Apotheker bewunderte. Heutzutage gibt es nur noch striktes Rotlicht für solche Kleinstadtbälle mit ansprechend alkoholischem Highlevel. Damals in den 1970/1980er Jahren ein echtes Highlight. Fern von Internet und Streaming. Auch das war die Mergentheimer Strasse. Biographisch wichtig waren noch einige Pfarrer und Lehrer, die entlang der Mergentheimer Straße wohnten. Das sind nicht immer die schlechtesten Einflüsse für sein Leben. Sondern gutes Geleit.


Inzwischen ist die Mergentheimer Straße ihres Fernwegcharakters befreit, dafür aber in der Bedeutung als kleinregionale Verbindungsstraße zwischen Büscheme und Merchendoal wesentlich gestiegen. Entsprechend auch der Ausbaustatus dieser KFZ-Straße, der immer weniger an alte Zustände erinnert. Der neue Größenwahn des Büschemer Höchsthochwasserschutzes, vom Land durch Geldsegen in bisher unbekannte Höhen befördert, entledigt auch die letzten Reste des früheren Chausseecharakters zu einer höchst modernisierten Autobahntrasse. Ebenso die letzten Reste des Wiesenbewässerungsgrabens. Die Steine der Schleuse vor der Tauberbrücke wurden nun völlig ihrer Funktion erledigt als simple steinerne Relikte einfach in die Wiese gesetzt.


In den 1920er Jahren gab es eine erste Trinkhalle an der Mergentheimer Straße auf Höhe der Tauberbrücke. Sozusagen ein Prä-Giller, einem Kiosk der ab dem Ende der 1950 Jahre dort seinen Platz einnahm.


Beim Giller, beim Kiosk Giller, bei der Trinkhalle Giller, einem kleinen, allein stehenden Kiosk an der Tauberbrücke, Ostseite, gegenüber dem Gasthaus Taubertal, heute spurlos dem Erdboden gleich gemacht, war eine wichtige Station des Wechsels vom einem Stadtteil zum anderen. Wenn die alte Oma Giller den Verkauf managte, gab es Versuche, aufgrund ihrer Sehschwäche, auch Mark und Pfennig ähnliche runde Gegenstände zur Bezahlung einzureichen. Im Vorfeld des Kiosks waren auf beiden Seiten Ständer aufgereiht. Ein reichhaltiges Angebot an Zeitungen, Fix&Foxi, Perry Rhodan, Kicker, Fussballwoche, Konkret, Twen, Jasmin, Pardon und so. Ende der 1960er Jahre zogen auch erotische, eher pornographische Blätter in die Ständerfächer. St. Pauli Nachrichten. Auch die UZ gab es. Nationalzeitung. Bayernkurier. Abendblätter, die es längst nicht mehr gibt.  Aber auch Zeitschriften, auf denen plakativ Underground aufgedruckt war und das persönliche Interesse weckten. Die meisten Zeitschriften und Hefte waren schon vom längeren Aushang angegriffen. Die Tüten mit einklebbaren Bildern von Fussballern wurden hier gekauft. Nach dem Fussballtraining trank man gern hier noch eine kalte Cocacola. In späteren Jahren auch gern mal ein Bier. Zur Frankfurter Allgemeinen Zeitung dazu. Wenn ein Spaziergang an einem kalten Wintertag anstand auch gern ein Fläschlein Jägermeister oder Sechsämter. Das half auch, wenn die erste Mannschaft des TSV’s sonntags zuhause antrat und der Spielverlauf wenig her gab. Der Giller war durchaus frequentiert, wenn auch im Innenraum nur wenig Platz war. Da kamen nur Spezialgäste rein. Man konnte gut beim Giller herumstehen. Einige standen fast immer dort. Die Toilette wurde in der Natur gesucht. Wenn Bedarf war. Ebenso spärlich war der Parkraum. Was sich dann gegenüber den neu aufkommenden Tankstellenshops als nachteilig erwies und zum Ende des Gillerschen Kiosks führte. Als Kunde laut wurde, dass der Giller abgerissen wurde, traf man sich im Hammel, um die Gründung eines Vereins zur Erhaltung der Trinkhalle diskutieren. Ein gut besuchtes Treffen. Diskutiert wurde unter anderem das Thema der Trinkhalle Giller als Wille und Vorstellung. Anektoden wurden eingebracht. Reichlich getrunken wurde dazu. Der Abend war legendär. Blieb legendär. Blieb einmalig. Die Trinkhalle wurde abgerissen. Und ist jetzt leider nur noch reine Vorstellung. Ein Besuch der Trinkhalle Giller war auf jedenfalls in den 1960er, 1970er und 1980er Jahre büschemerische Pflicht. Nun Stadtgeschichte.




Ein knalliges Ende der Fast-Food-Kultur


Mit einem lauten Knall verabschiedete sich der McDonald in Tauberbischofsheim von seinem zumeist mehr jugendlichen Publikum. Mit einem explosiven Knall am frühen Morgen des 10. Augusts 2014. Die traurige Nachricht verbreitete sich über Whatsapp schnell unter der heimischen Jugend, die ein wichtiges Domizil auf lange Zeit überraschend verlor. Eltern müssen nun ihre Kinder wieder mit richtigem Essen versorgen. Z. B. mit Zemmede und Biereschnitz, Kreddelflaasch und Kreddelsubbe, Schwardemoache, Schnäggenudel mit Hutzeln, Buwespitzli und Öpfelbrei, Zwüwwelkuche, Quätschichbloatz.